Das aktuelle medico-Bulletin steht im Zeichen der Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen»Die Beispiele aus El Salvador, Shengal und Gaza stehen für das schwesterliche Streben, gemeinsam Wege aus der Gewalt zu finden – Schulter an Schulter gegen Gewalt und Unterdrückung! 

Maja Hess

Schauspielerinnen der Theater-Gruppe «Frauen aus Stahl» in El Salvador.

Scham und Schuld müssen die Seite wechseln, wenn es um sexualisierte, physische und emotionale Gewalt geht – weg vom sogenannten Opfer hin zu den Tätern. Viele Frauen, die Gewalt erlebt haben, schweigen aus Scham und Schuldgefühlen. Doch es gibt mutige Frauen, die dieses Schweigen brechen, wie Awaz aus dem Shengal, die Koordinatorin von den «Mujeres Libres» aus El Salvador oder die Psychodramatikerinnen Rawya, Ayat und Ola aus Gaza. Sie schaffen damit einen Raum, indem auch andere Gewaltbetroffene Worte für das Erlebte finden können. Das ist der erste Schritt zu einer Veränderung.

Die Gewalt gegen Frauen und Mädchen, ob durch bewaffnete Gruppen wie den «Islamischen Staat» oder staatlichen Terror wie etwa in El Salvador, muss ein Ende finden. Der Krieg in Gaza muss
gestoppt werden. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen und die Straflosigkeit beendet werden. Frauenorganisationen weltweit leisten politischen und juristischen Widerstand gegen diese Tätergruppen. Im nordirakischen Shengal und in Europa fordern Frauenverbände die Aufarbeitung des Genozids und Femizids an den Ezid*innen und Schutz für ihre Gemeinschaft > Zum Beitrag «Gerechtigkeit für die Ezid*innen». Das Frauenkollektiv «Mujeres Libres» in El Salvador kämpft unter Repressionen dafür, die Situation junger Frauen ins Bewusstsein zu rücken. Da klare Worte für sie zu riskant wären, greifen sie auf Theater, Metaphern, Anspielungen und Traumdarstellungen zurück, um aufzuklären und Wissen zu vermitteln > Zum Beitrag «Theater als Widerstand». In Gaza kämpfen die Psychodramatikerinnen gemeinsam mit zwei Millionen weiteren vom Krieg Betroffenen ums Überleben und stärken ihre emotionale Verbundenheit, um dem täglichen Schrecken standzuhalten > Zum Beitrag «Hilfe für Helfende».

Angesichts des Wiedererstarkens von Faschismus und der Angriffe auf die sexuellen und reproduktiven Rechte und die Selbstbestimmung der Frauen weltweit, ist es wichtiger denn je, unseren Kampf gegen geschlechterspezifische Gewalt über Länder und Kontinente zu verbinden. «Schulter an Schulter gegen Gewalt und Unterdrückung!» heisst der Slogan der diesjährigen Schweizer Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen», der wir uns auch als medico anschliessen. Die Beispiele in aktuellen medico-Bulletin 4/24 stehen für das schwesterliche Streben, gemeinsam Wege aus der Gewalt zu finden.
 
In diesem Sinne bedanken wir uns bei Ihnen für Ihre solidarische Unterstützung in diesem Jahr und hoffen, dass Sie auch 2025 Schulter an Schulter mit uns weiterkämpfen!